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6-Gang-Getriebe: Probleme mit schwer zu schaltenden Gängen und Geräuschen im Schubbetrieb

Bild von GeorgK

Hallo an alle, die mit dem 6-Gang-Getriebe Probleme haben!

Ich berichte Euch gerne von meinen Erfahrungen und Lösungen.

Vorgeschichte

Ich habe an meinem Galaxy 2004 1.9 TDI 115 PS AUY im Sommer 2016 bei ca. 250.000 km die Kupplung gewechselt. Es wurde ein kompletter Sachs Kupplungssatz inkl. Zweimassenschwung und Zentralausrücker eingebaut.

Problembeschreibung

Danach gab es massive Probleme. Einerseits waren besonders der erste und der Rückwärtsgang oft nicht mehr heraus zu bekommen und zum anderen gab es beim Einkuppeln beim Schalten in den 5.Gang kurzzeitig ein singendes Geräusch aus dem Getriebe.

Andere Nutzer berichten auch von einem lauten Surren im 4.Gang im Schubbetrieb.
Weiterhin kann der Wagen im ersten Gang, trotz getretener Kupplung anrollen.

Ursache: Spiel der Getriebeeingangswelle

Ursache für diese Probleme ist ein axiales (hinein- und heraus) Spiel der Getriebe-Eingangswelle oder Hauptwelle im Getriebe.

Getriebewelle hineingedrückt: hier das hintere Lager der Getriebe-Eingangswelle, ich hab es mit der Hand Richtung Kupplung gedrückt  Getriebewelle herausgezogen: und hier die Getriebe-Eingangswelle so weit wie möglich herausgezogen
Im linken Bild ist das Lager hineingedrückt. Auf dem rechten Bild ist das Lager herausgezogen. Es ist ein deutliches Spiel hör- und spürbar.

Reparaturansatz Aludeckel

Abhilfe schafft das Beseitigen dieses Spiels z.B. durch einen Aludeckel anstatt des schwarzen Kunststoffdeckels an der linken Seite (Rückseite) des Getriebes, welcher die Getriebewelle an dieser Bewegung hindert. Diese Sache wurde von Morsa in einem eigenen Forenbeitrag sehr gut erklärt und berichtet: [419174]

Ich habe mir von Morsa diesen Deckel besorgt und er hat ihn mir sogar selbst fachmännisch eingebaut! Danke nochmals Sascha dafür!! Damit waren die Schaltprobleme schlagartig weg. Das Getriebe war wieder so leicht und präzise zu schalten wie vor dem Kupplungswechsel.

Geräusche im Schubbetrieb

Aber es trat ein neues Problem auf: Aus dem Getriebe kamen im 5.Gang beim Verzögern (Gas wegnehmen) deutlich singende und mahlende Geräusche. Vor der axialen Fixierung der Getriebewelle mit dem Aludeckel hatte ich diese Geräusche nur beim Einkuppeln im 5.Gang, jetzt traten sie immer dann auf, wenn ich im 5.Gang vom Gas ging.

Lage der Getriebewelle

Ursache für dieses Problem war die Fixierung der Getriebewelle. Durch die Fixierung “hinein“ ins Getriebe (der Deckel drückt auf die äußere Lagerschale des Lagers für die Getriebewelle und schiebt sie nach innen, Richtung Kupplung) passen die Abstände der Zahnräder zueinander im Getriebe nicht mehr und dann beginnen im 5.Gang Reibegeräusche beim Verzögern, weil die Schrägverzahnung des 5.Ganges entsprechende axiale Kräfte auf die Zahnräder aufbringt. Im 5.Gang deswegen, weil die Zahnräder für den 5.Gang am Ende der Getriebeeingangswelle (gleich hinter dem Lager, das fixiert werden muss) sitzen und sich diese Problematik damit dort als erstes zeigt.

Lösung

Die Fixierung der Getriebewelle ist nötig um die Schaltprobleme zu beseitigen. Die Welle muss aber nicht “hinein“ ins Getriebe sondern “heraus“ aus dem Getriebe fixiert werden. Erst damit entspricht die Positionierung der Wellen und der Zahnräder im Getriebe wieder dem Originalzustand und es gibt weder Schaltprobleme noch Geräuschprobleme im 5.Gang.

Ich habe im Herbst 2016 lange in Werkstätten und im Internet herumgesucht bis ich auf die amerikanische Seite vwvortex.com gestoßen bin, wo der user “satchimo“ die für mich beste technische Erklärung für das, was im Getriebe passiert, gibt:

https://forums.vwvortex.com/showthread.php?6089802-02M-whining-decel-noises-aftermarket-clutch-disengagement-issues-mainshaft-axial-play/page4

The play that's notorious in the later boxes is axial, or "in and out". The main shaft and it's bearing literally slides back and forth in a reciprocating motion that is detected when you tug on it and push it back in. Slight play (1mm/.040") isn't a huge problem but once it gets to certain point of wear (2+mm/.125") its assumed it makes contact with the 1st/2nd/3rd pinion shaft and continues to spin through friction from that contact, independent of the clutch disengagement.

A more realistic theory is that the clutch disc hitches a ride with the reciprocating shaft and bounces back and forth between the gap of a disengaged clutch, skimming either the flywheel or pressure plate, depending on where the shaft ends up after accel or decel. This is obviously a bad thing, and I think it's the best explanation so far due to the fact that it explains the issue perfectly when at a standstill, (ie pinion shafts aren't spinning, therefore could not spin the main shaft)

Seeing as the gears are helical gears there is a repeated reciprocating motion upon accel and decel, with the helix forcing the main shaft from one end of play to other end. This obviously gets worse and worse unless this play is arrested, because what is actually happening is the rear shaft ball bearing, complete with retainer snap ring, starts to machine the case.

Durch die Beschleunigungs- und Verzögerungskräfte treten im Getriebe auch dauernd axiale Kräfte an den schrägverzahnten Zahnrädern und damit an den Wellen und Lagern auf. Das hintere Lager der Hauptwelle im Getriebe sitzt anscheinend nicht geklemmt genug im Alugehäuse des Getriebes und kann sich irgendwann mitdrehen. Dies führt dann dazu, dass der Sicherungsring für die äußere Lagerschale das Alugehäuse, in dem das Lager sitzt, mit der Zeit abfräst. Dies ist die Ursache für das axiale Spiel der Welle, Ich habe bei mir 1,6mm Spiel gemessen. Die Tiefe der eingefrästen Nut habe ich mit 0,9mm gemessen. Anscheinend bringt ein Kupplungswechsel dieses Problem erst so richtig zum Vorschein.

Eingefräste Stufe im Lagerschild des hinteren Getriebewellenlagers: Hier sieht man die Stufe im Aluguss des Getriebegehäuses

Einbau der Beilagscheibe(n)

Das Fixieren der Getriebewelle “heraus“ aus dem Getriebe habe ich mit der originalen VW Beilagscheibe (Teilenummer WHT-001-976, ganz normal in der VW Werkstatt für ein paar Euro zu kaufen) gemacht. Diese Beilagscheibe ist 0,65mm dick und passt damit perfekt in mein Getriebe. Die eingefräste Nut habe ich ja mit 0,9mm gemessen, das Spiel mit 1,6mm. 0,9mm plus 0,65mm = 1,55mm und damit wird mein Spiel theoretisch fast auf Null reduziert. Bei Bedarf könnte man auch 2 oder mehr Beilagscheiben übereinander einbauen.

Beilagscheibe und Sicherungsring wieder eingebaut: Die Beilagscheibe deckt die gefräste Nut voll ab und nun fixiert der Sicherungsring die Welle nach "heraus"

Der Einbau geht sehr leicht, Kunststoffdeckel runter, mit einer entsprechenden Zange oder 2 kleinen Schlitzschraubenziehern den Sicherungsring aufgespannt und herausgenommen, Beilagscheibe hinein gedrückt, Sicherungsring wieder drauf gegeben und geachtet, dass er auch gut einrastet in der äußeren Lagerschale, neuen Deckel (Teilenummer 02M-301-211-B, ganz normal in der VW Werkstatt für ein paar Euro zu kaufen) drauf und fertig.

Ein ausführlich bebilderte Anleitung von Roman84 gibt es hier: [433479]

Ergebnis

Mit der eingebauten Beilagscheibe hatte ich an der Getriebewelle fast kein mehrbares axiales Spiel mehr. Die Schaltprobleme waren weiterhin nicht mehr da, die Welle war ja fixiert. Die Geräusche beim Verzögern im 5.Gang waren komplett weg.

Nun war das Getriebe wieder so wie früher zu fahren.

Hoffentlich kann ich mit meinen Erfahrungen dem einen oder anderen von uns eine Hilfe sein. Natürlich macht ihr alles auf eigene Verantwortung, von mir gibt es keine Gewährleistung oder so dafür. Ich fahre nun seit 5000 km damit und habe mit dem Getriebe meines Galaxy wieder volle Freude.

Liebe Grüße, Georg

SGA-Stichworte: Getriebe, Schaltprobleme

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