Austausch des PD-Kabelbaumstückes im Zylinderkopf

Symptome für einen defekten Kabelbaum:

  • Einträge im Fehlerspeicher (VORSICHT: Kein Muss, war bei mir nicht der Fall. Wenn der Eintrag aber im Fehlerspeicher steht, dann ist es mit ziemlicher Sicherheit der Kabelbaum):

    Code:
    18074 – 18077 Ventil für Pumpe/Düse Zylinder 1 – 4 elektrischer Fehler im Stromkreis 16685 – 16688 Zylinder 1 – 4 Verbrennungsaussetzer erkannt
  • Schlechte Kaltstarteigenschaften - Wagen springt erst beim 2. mal Anlassen an.

  • Ungleichmäßiger Leerlauf - Drehzahleinbrüche und Schwankungen

  • Starke Unterschiede bei der Leerlaufregelung (MWB 13 im VAG-COM), bei warmem Motor war wieder alles OK

  • Im Vergleich spürbar weniger Drehmoment beim Anfahren (merkt man erst nach der Reparatur :mrgreen: )

Grund für die Probleme ist der Übergangswiderstand zwischen den Steckverbindungen der PD Elemente. Dieser kommt zustande durch Niederschläge auf den durch Temperatur, Vibrationen und Umgebungsbedingungen (Motoröl) hochbelasteten Steckkontakten. Bei jedem Einspritzvorgang fließen Ströme in der Größenordnung von 15A durch die Steckverbindungen der PD Elemente. Bei zu hohem Übergangswiderstand öffnet das Magnetventil im Pumpe Düse Element nicht mehr richtig. daher stimmt die eingespritzte Treibstoffmenge nicht mehr mit der vom Steuergerät gewünschten Treibstoffmenge überein.

Als Ersatzteile benötigt man den Kabelbaum und eine neue Ventildeckeldichtung. Kostenpunkt zusammen etwa 60 Euro:

  • 038 971 600 Adapter-Leitungssatz Einspritzdüse Anschlussstück € 37,- + Märchensteuer (im folgenden Kabelbaum genannt)

  • 038 103 483 D Dichtung € 13,65 + Märchensteuer

**** Aktuelle Preise am Ende des Beitrags ****

So sieht der Kabelbaum neu aus:

7bc6d42ad92536dc0242e13b2ab70e94.jpg

Alle Angaben mit rechts und links beziehen sich auf die Sicht von vorne auf den Motorraum - nicht in Fahrtrichtung! Bitte sauber und staubfrei arbeiten und nichts in den offenen Zylinderkopf fallen lassen.

Um den neuen Kabelbaum einzubauen muss man als erstes Platz zum Arbeiten schaffen. Dazu müssen der Wasserkasten und der Batteriefachdeckel demontiert werden. Auch die Motorabdeckung und die darunterliegende Schalldämmung aus Moosgummi muss natürlich abgenommen werden. Zum Entfernen der Plastik-Motorabdeckung die Abdeckung vorne nach oben über den Ölmessstab ziehen und dann nach vorne aus der hinteren Halterung rasten.

Sodann habe ich (bevor ich es vergesse) den Schlauch der Kurbelgehäuseentlüftung (auf der linken Seite des Ventildeckels entfernt. Auch die gebogene Schlauch- und Abdeckungshalterung auf der rechten Seite des Motorblockes kann entfernt werden (siehe Bild):

Dazu die Schraube der Halterung mit einem M13 Gabelschlüssel lösen und dann die Schraube mit einer Wasserrohrzange gegen den Flansch des Motorblockes drücken. Die Halterung funktioniert wie ein Spreizdübel. Falls die Halterung immer noch zu fest ist kann man das geschlitzte Blechstück unter der Schraube mit einer Zange zusammendrücken. Auch der Stecker neben der Halterung muss noch geöffnet werden. Dazu den kleinen roten Splint mit einem kleinen Schraubenzieher entriegeln und den Stecker durch Verdrehen des Karabinerverschlusses öffnen und entfernen.

Nun die Schrauben des Ventildeckels ringsrum lösen. Eine der hinteren Schrauben ist extrem fummelig zu lösen, da das Saugrohr mit Druckdose hier im Weg ist. Nicht versuchen, es wegzuschrauben, es hängt an einigen Stellen fest, sondern mit einer Ratsche mit Verlängerung und Kardangelenk, an das direkt die 10er Nuss gesteckt ist die Schraube öffnen. Vor dem Abheben des Ventildeckels noch auf der linken Seite die Federn der Zahnriemenabdeckung vorne und hinten ausrasten, das Oberteil der Zahnriemenabdeckung hochziehen und wegklappen.

Nun Ventildeckel wegheben. Das Ganze sieht dann so aus:

58e29bea20d1c4156ed5bf5df29ab765.jpg

Nun die Anschlüsse der PD Elemente abziehen (Rastung durch vorsichtiges Hebeln mit einem kleinen Schlitzschraubenzieher lösen während man den Stecker kräftig nach oben zieht. Eine Detailansicht der Steckverbindung sieht man im nächsten Bild:

8e02a4a95873212db97ccbb2c1a7a0ad.jpg

Die abgezogenen Stecker der PD Elemente in den Kunststoffkörper des alten Kabelbaumes einrasten. Das Neuteil hierzu als Vorlage nehmen.

Dann die beiden Schrauben der angeschraubten Buchse auf der rechten Seite des Zylinderkopfes lösen und den Flansch abziehen. Nun die beiden Blattfedern innen am Kabelbaum ausrasten. Den Kabelbaum mit Gefühl unter mehr oder weniger leichtem Zug und Biegen rechts aus dem Motor ziehen. Aufpassen dass sich kein Stecker und kein Teil des Kabelbaum-Körpers an den scharfkantigen Durchführungen des Zylinderkopfes verhaken. Dies alles ist schon eine gute Vorübung für das was jetzt kommt:

60e30fbd6ef57d9491dd802cd20aa08b.jpg

Nun den neuen Kabelbaum vorsichtig unter Absingen schmutziger Lieder von rechts in das Loch des Zylinderkopfes einführen. Beim Durchgang durch eines der Löcher die Blattfedern zusammendrücken. Vorsicht: Nicht mit dem Stecker am Batteriekasten hängen bleiben! Den Kabelbaum soweit schieben, bis er seine Position erreicht hat:

cefe76ebd3a92944e3ffd3792cbf7824.jpg

Den Stecker auf der rechten Seite des Kopfes mit den beiden Schrauben festschrauben. Die obere Schraube ist die komische die aussieht wie eine Gewindestange mit Mutter. Die Orientierung der Buchse muss so sein, dass die weiße Markierung auf der Buchse nach oben zeigt.

Nun die einzelnen kleinen Stecker für die PD Elemente aus dem Kunststoffkörper des Kabelbaumes ausrasten und in die PD Elemente einklicken. Die alte Ventildeckeldichtung entfernen (Vorsicht: die Schrauben des Ventildeckels fallen dann raus), die neue Ventildeckeldichtung in den Ventildeckel eindrücken. Die Schrauben in die neue Dichtung einpressen (geht mit der bloßen Hand) und so arretieren. Die Dichtung nochmals kräftig besonders im Bereich der runden Aussparungen für das Nockenwellenlager eindrücken (rechts und links am Ventildeckel).

Nun den Ventildeckel wieder auf den Zylinderkopf aufsetzen und ausrichten. Die Schrauben des Ventildeckels in der richtigen Reihenfolge anziehen:

bf1a4a479f4829f771e9af48c0b42675.jpg

Das Drehmoment sollte 10Nm betragen, ich habe die Schrauben gefühlvoll mit der Hand angezogen. Nun die Zahnriemenabdeckung wieder schließen und vorne und hinten verriegeln. Die Halterung für den Schlauch und die Abdeckung auf der rechten Seite wieder festschrauben. Den Wasserkasten wieder einbauen, die Motorisolierung aus Moosgummi, die Abdeckungen für den Motor und das Batteriefach wieder einbauen.

Nun den Motor anlassen und sich über schnelles Anspringen und einen gleichmäßigen Leerlauf freuen!

Zeit: Etwa 3 1/2 h mit Suchen einer Schraube und in der Dunkelheit mit nur einer kleinen Leuchte. Sollte mit Anleitung wesentlich schneller gehen…
Preisupdate November 2012:

038971600 - LEITG.SATZ
Preis: 53,67 € incl. 19% Mwst.
038103483D - DICHTUNG
Preis: 19,40 € incl. 19% Mwst.

Preisupdate August 2019:

038971600 - LEITG.SATZ
Preis: 78,00 € incl. 19% Mwst.

Ebenfalls einsetzbar ist:

Leitungssatz von AIC 57234. Preis 08/2019 ca. 40 €

Ventildeckeldichtung:
Elring 266.060
Febi Bilstein 33158
UVP jeweils ca. 20 €
Dichtungssatz mit Schrauben:
Elring 383.282 ca. 70,00 €

13 „Gefällt mir“

#1

Hallo,

habe deine Anleitung zum Wechseln des Kabelbaumes ausprobiert, hat super funktioniert.

Habe allerdings noch Batterie und die Plastikverkleidung teilweise ausgebaut, so das ich den Kabelbaum gerade nach rechts rausziehen konnte. War problemlos in 3 Std. erledigt.

Vielen Dank.

#2

Hallo,

habs am WE versuch und bin am Ventildeckel gescheitert. Mit den Schlüsseln die ich hatte war es nicht zu schaffen.

Gibt es ein Spezialwerkzeug dazu? ich hatte schon überlegt einen 13er Schlüssel passend zu biegen.

Gruss Dietmar

#3

Geht mit einem 13er Steckeinsatz, einer Verlängerung, Kardan-Zwischenstück und einer Ratsche.

#4

Hallo Heisenberg,

ich hab heute nach Deiner Anleitung das Teil gewechselt.

Danke für die Tipps. Die hintere rechte Schraube des Ventildeckels ist wirklich für jeden durchschnittlich gewachsenen Mitteleuropäer mit leichten Wurstfingern unerreichbar. Ich hab mir daher ein Werkzeug gebogen, da ich leider keine Spielzeugknarren in meinem Werkzeugfundus habe.

Ein Bild meines „Helfers“ folgt hier:.

89dd7d6cbb13f636b79fecb8f3bfeec0.jpg

So long…

#5

Hi,

hab es jetzt doch geschafft den Kabelbaum zu wechseln. Eine kleine Knarre mit verstellbarem Kopf machte es möglich.

#6

Hello Heisenberg,

ich habe heute auch den Kabelbaum gewechselt. Allerdings habe ich auch das Luftrohr zum Ladelufkühler (rechts am Kopf) abgenommen. :!: So war das Einfädeln des Kabelbaum ein Kinderspiel. :stuck_out_tongue: Auch konnte ich so leichter mit einem 10er Ringschlüssel von hinten an die verfluchte rechte hintere Kopfdeckelschraube rankommen. Mit meiner kleinen Ratsche war das nämlich nicht möglich.

Ansonsten muß ich leider sagen, daß die Ursache damit nicht behoben ist. Die leichte Unruhe im Leerlauf die ersten paar Minuten nach dem Start ist geblieben. :cry:

Ciao

Frank

#7

So, nachdem ich hier noch etwas gelesen habe, habe ich den Kabelbaum von den PD-Elementen erneuert. Und ich bin begeistert! Endlich wieder vernünftig Auto fahren ohne rumgeruckel. Dank dieser Anleitung keine Probleme gehabt.

Danke!

#8

Moin Moin, heute wars bei mir auch soweit.

Danke erstmal für die super Anleitung. Der Kackpunkt bei der Arbeit ist eindeutig die Schraube hinten rechts. Die angegebene Zeit habe ich in etwa auch benötigt.

Wer sich den „Safetyman- Spezialschlüssel“ nicht selber biegen kann braucht unbedingt eine schmale 10er Nuss und schmales Kardangelenk mit Verlängerung. Nicht jeder Nusskasten ist da geeignet.

Da ich auch den Kühlmittelbehälter austauschen musste habe ich gleich die Batterie und die Trennwand zur Batterie mit ausgebaut. Das ersparrt das „absingen schmutziger Lieder“, da der Kabelbaum völlig problemlos waagrecht raus- und reingeschoben werden kann. Dies ist somit in jedem Fall zu empfehlen da dieser Punkt dann sehr leicht zu erledigen ist.

VG

#9

Ich habe bei meinem heute den Leitungssatz gewechselt. Hat mich auch über 3 Std. gekostet, lag an den blöden Torx 30 Schrauben. Im Speziellen die hinten rechts vor der Druckdose. Dort kam ich nicht mit meinem normalen Nuss hin. Sondern dank meinem Nachbarn mit seiner Werkstatt konnte mir da helfen. Er hatte einen Torx 30 in einer L form (wie die Imbusschlüssel). Er hätte aber ruhig ca. 2-3 Cm jeweils länger sein können. Aber es ging auch so.

Bei meinem AUY Motor von Bj 2000 sind folgende Teile Verbaut:

* 038 971 600 Leitungsatz PD

* 038 103 483 D Dichtung (ab bj 2006, ist aber die gleiche Zylinderkopfhaube wie bei meinem 2000er)

#10

Kommentar wurde verschoben

#11

So, heute hatte ich Zeit den Kabelbaum zu wechseln.
Vielen Dank an Heisenberg für die tolle Anleitung!
Bei meinem VW Sharan 2,0 TDI war Schraube #4 extrem schwer zu erreichen! Habe vier Tage verschiedene Möglichkeiten ausgetestet: Bei Obi einen langen Torx 30 „L-Schlüssel (wie Imbus)“ besorgt, passte nicht und deshalb verbogen. Dabei ist der Schlüssel beim kalten Biegen gebrochen. Mit dem 1/4 Zoll Kardangelenk war ich am Tag davor gescheitert. Am dritten Tag habe ich mir eine 1/4 Zoll, 120 mm lange, flexible Verlängerung besorgt. Ging auch nicht.
Heute dann der Durchbruch: Habe mir einen kleinen „Zahnartzspiegel“ besorgt. Jetzt noch mal mit dem Kardangelenk und das „rumstochern im Nebel“ hatte ein Ende.
Leider hat die OP bei meinem Auto nicht den gewünschten Erfolg gebracht:
Immer noch leicht schlechtes Anspringen des kalten Motors, bei warmen Motor läuft der Motor unter Belastung z.b. zweiter Gang im Leerlauf unrund mit Drehzahlabfällen.
Bei VW war zuvor gemessen worden, daß auf Zylinder 4 die Einspritzmenge um 2,99 abweicht…

#12

Problem gelöst: War bei Diesel Pitter in Mülheim a.d.Ruhr.
Dort wurden alle PD-Elemente ausgebaut und im Ultraschallbad gereinigt. Zusätzlich wurde der Diesel- und Luftfilter erneuert.
Nach der Aktion (Kosten 550 Euro) läuft der Motor wieder rund…

#13

Kommentar wurde verschoben

#14

Kommentar wurde hierhin verschoben

#15

Kommentar wurde hierhin verschoben

#16

Kommentar wurde hierhin verschoben

2 „Gefällt mir“

#17

Kommentar wurde hierhin verschoben

#18

Es wäre nett, wenn in der Wiki näher auf das Problem der wohl mit Sicherheit zu erwartenden Ventildeckelundichtigkeit hingewiesen würde.
Bei einer korrekt (mit Dichtmittel) eingesetzten Deckeldichtung erspart man sich u.U. eine große Sauerei und einige vermeidbare Schrauberstunden…

#19

Bei sachgemäßem Anziehen und beim Tausch der Dichtung sollte es ja eigentlich wieder dicht werden. Hat es allerdings bei mir nicht getan (ich habe aber auch zu fest angezogen :frowning: )
Ich werde trotzdem eine Bemerkung rein stellen.