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Radlager vorne wechseln

Bild von dieselsmell

1. Benötigtes Werkzeug

Der Wechsel des Radlagers ist eigentlich nicht schwierig. Man braucht aber gutes Werkzeug und auch Spezialwerkzeug dafür.

Skizze 9

  1. Nach einem Tipp aus dem Forum habe ich beim großen A das vidaXL Radlagerwerkzeug Set für 40 Euro gekauft und kann es auch weiter empfehlen.
  2. Man braucht einen guten Abzieher. Ich habe den HAZET 1787F-20 Schnellspann-Abzieher gekauft. Der hat sich aber als etwas groß herausgestellt. Der HAZET 1787F-13 wäre wohl geeigneter gewesen und kostet mit 60 Euro auch deutlich weniger.
  3. SKF VKBA 3449 Radlagersatz. Die beiliegende Radnabenschraube hat leider einen großen Innensechskant, was sie mangels Werkzeug für mich uninteressant gemacht hat. Vielleicht findet jemand ein Set mit einer Aussensechskantschraube.
    Edit: Der Innensechskant hat 17mm. Das lässt sich mit einer M10 Langmutter und einer 17er Nuss verschrauben.
  4. 32 mm Ringschlüssel, um das Radlagerwerkzeug zu bedienen. Eine 32mm Nuß allein funktioniert nicht, wird aber zum Gegenhalten immer noch gebraucht
  5. Eine Sicherungsring (Seeger-Ring) Zange für Innenringe
  6.  Ein 1/2" Ratschenkasten mit 32mm Nuß
  7.  5, 6 und 7mm Innensechskantnuß
  8.  Ein Drehmomentschlüssel mit einem Arbeitsbereich bis 200 Nm wäre sinnvoll
  9.  Ein langes Eisenrohr kann viel Kummer ersparen, denn groß ist des Schlossers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft!
  10.  Einen Wagenheber und 1 Unterstellbock
  11.  1 Paket Latexhandschuhe

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2. Vorwort

Die meisten merken, dass ein Radlager kaputt ist daran, dass der Wagen in der Kurve laute Mahlgeräusche von sich gibt. In meinem Fall hat der Wagen bei normaler Fahrt Geräusche von sich gegeben, die durchaus auch von schlechten Winterreifen stammen hätten können. Allerdings habe ich in dem Rad Spiel bemerkt, wenn man heftig daran gerüttelt hat. Da die Koppelstange und die Spurstange jedoch kein Spiel aufwiesen, blieb eigentlich nur ein defektes Radlager übrig. Es hat sich beim Ausbau gezeigt, dass das äußere Schrägkugellager völlig intakt war, dass innere Lager jedoch stark verrostet war.

Ich habe den Wechsel nach dem SGA-Pediabeitrag von piepe vorgenommen. Eigentlich wollte ich seinem Beitrag nur schärfere Fotos spendieren. Da ich beim Auspressen des Lagers jedoch einen Denkfehler begangen habe, den ich erst bemerkt habe, als das Axiallager des Auspresswerkzeuges schon die Grätsche gemacht hatte, habe ich mich entschlossen einige Skizzen zu erstellen und den Wechsel in einem eigenen Beitrag zu beschreiben. Ich habe mit meinem Sohn zusammen etwa 4 Stunden für den Wechsel gebraucht. Beim nächsten Mal geht es wohl auch in 2.

3. Wechsel

Als erstes die 5 Radschrauben und die Zentralschraube bei noch auf dem Boden stehenden Fahrzeug anlösen.

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Danach den SGA aufbocken und einen Unterstellbock als zusätzliche Sicherung unterstellen.

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Nun die Radschrauben lösen und das Rad abnehmen.

Als nächstes wird der Bremssattel abgebaut. Dafür die Bolzen unter den schwarzen Kunststoffkappen mit einem 5mm Inbus-Bit lösen und herausziehen. Den Bremssattel kräftig vor und zurück bewegen, und dann nach oben hin abziehen. Den Bremssattel mit etwas Draht so am Federbein aufhängen, dass die Bremsleitung möglichst wenig gestresst wird.
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Die Innensechskantschraube in der Bremsscheibe kann man ganz problemlos lösen, wenn man ein 5mm Innensechskantbit hineinsteckt und einmal gut mit dem Hammer draufschlägt.
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Nun muss der Bremssattelträger weg. Hier hat mir beim Lösen der beiden Sechskantschrauben ein Rohr hilfreiche Dienste geleistet, das zum Einsatz kommen kann, wenn man das Lenkrad einschlägt.11
Nun die bereits gelöste Zentralschraube entfernen. Jetzt sieht die Sache prinzipiell so aus:
Skizze2
Um die Antriebswelle aus der Radnabe ziehen zu können, muss der untere Querlenker entfernt werden. Dazu einfach die beiden Inbusschrauben rechts und links entfernen und den Querlenker mit einem kleinen Meißel vom Achsschenkel trennen.
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Wenn man dann den Querlenker nach unten drückt, kann man das gesamte Federbein ein Stück zu sich heranziehen und die Antriebswelle nach hinten rausdrücken. Dach den Querlenker wieder anschrauben, damit das Federbein wieder Halt bekommt.
Als nächstes muß die Radnabe vom Achsschenkel abgedrückt werden. Meine Bilder zeigen jedoch erst das Abdrücken der Radnabe und dann das Entfernen der Antriebswelle. Geht auch, finde ich im Nachhinein aber weniger sinnvoll.
Skizze4
Eigentlich sollte das Abdrücken der Radnabe mit den 3 dem Radlager-Wechsel-Werkzeug-Set beiliegenden Bolzen ganz einfach sein. Beim SGA scheinen Radnabe und Achsschenkel konstruktiv jedoch nicht so richtig zusammen zu passen. Wenn man die Bolzen einfach einschraubt, würde man wohl einfach nur das Gewinde der Bolzen zerstören denn diese finden am Achsschenkel nicht genug Halt, um sich richtig abstützen zu können. Deshalb muss man das Ganze wie in der Abbildung gezeigt hinterbauen. Man braucht 3 möglichst dünne Bleche, die aber noch stabil genug sind um nicht einfach zu verbiegen. Ich habe 3 aus dem Holzbau bekannte Winkelverbinder dafür benutzt. Wie man auf dem Bild sieht, verbleibt die Hälfte der inneren Lagerschale auf der Radnabe, die komplette äußere Lagerschale und die zweite Hälfte der inneren Schale verbleiben auf dem Achsschenkel. Das Lager wird also beim Abziehen zerstört.


Nun muß der Sicherungsring, der das Radlager im Achsschenkel sichert, mit einer geeigneten Zange entfernt werden.

Bild 22
Die nächste Skizze zeigt, wie man beim Abziehen des Lagers aus dem Achsschenkel vorgeht. Dumnmerweise habe ich erst einen zu großen Scheibendurchmesser des Lagerwerkzeuges ausgewählt, weil ich das Lager unbedingt am Außendurchmesser ausdrücken wollte Rolling Eyes . Erst als das Axiallager des Werkzeuges bereits kaputt gegangen war ist mir aufgefallen, dass ich gegen den Absatz am Achsschenkel gedrückt habe und nicht gegen das Lager. Man muß also eine Scheibe auswählen, die sich nur am Innenring des Lagers abstützt. Mit einem Hebel und dem dem Werkzeugset beiliegenden Ring war das Auspressen dann sehr einfach. Kaum macht man es richtig, schon funktionierts!
Skizze5
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Der Achsschenkel ohne Radlager
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Nun muß das auf der Radnabe verbliebene Stück Radlager noch abgezogen werden. Man erkennt, dass der Absatz, den man zum Ansetzen des Abziehers nutzen kann sehr klein ist. Das ich einen etwas großen Abzieher gekauft habe, hat die Sache sicherlich nicht einfacher gemacht. Letztendlich ist der Abzieher immer abgerutscht.
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Nachdem ich das Radlagerstück an 2 gegenüber liegendenden Seiten mit dem Winkelschleifer mit größeren Nuten versehen hatte, ging das Abziehen dann ganz problemlos. Man erkennt auf dem Bild, dass ich auch die Radnabe selbst ganz leicht "erwischt" habe, sollte jedoch keinen Einfluß haben.
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Jetzt geht es wieder an den Zusammenbau. Dazu habe ich den Achsschenkel innen und die Radnabe außen gut mit Molybdänfett eingeschmiert. Mit dem Werkzeug einfach das neue Radlager in den Achsschenkel ziehen.
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Den neuen Sicherungsring einsetzen
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Dann die Radnabe in das neue Radlager einziehen bis der Spalt zwischen Radnabe und Achsschenkel wieder so 1 bis 2 mm beträgt.
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Danach wieder den unteren Querlenker lösen, um die Antriebswelle einzubauen und gleich wieder festziehen.
Danach die Zentralschraube gut voranziehen.
Nun die Bremsscheibe, den Bremssattelträger und den Bremssattel wieder befestigen und das Rad anschrauben und die Radschrauben über Kreuz gut voranziehen.
Als letztes das Fahrzeug vorsichtig absenken. Die Radschrauben mit 170Nm über Kreuz anziehen. Dann die Zentralschraube mit 150 Nm anziehen und dann nochmal um 90 Grad stetig weiterdrehen. Hierbei kommt wieder das Rohr zum Einsatz.

SGA-Stichworte: Radlager

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