Wechsel des Kupplungsgeberzylinders

Nachdem ich meinen Kupplungsgeberzylinder erfolgreich gewechselt habe, möchte ich diese Erfahrung natürlich mit euch teilen:
Vorweg Folgendes:
Ich bin was das Schrauben angeht Autodidakt, also bitte korrigiert mich, wenn ich irgendwo Quatsch schreibe. Dies ist ein rein privater Erfahrungsbericht, Nachmachen auf eigene Gefahr, keine Gewährleistung.
Unter anderem muss der ABS-Block demontiert werden. Wenn da Luft rein kommt birgt das Risiken, jeder muss selber wissen ob es sich das traut. Mindestens braucht man ein Überdruck Bremsentlüftungsgerät.
Fahrzeugtyp:
Alhambra (bj2006, 2.0 TDI PD BRT mit DPF, 103 KW)
Zum Prinzip der hydraulischen Kupplung:
Der Geberzylinder beim Pedal erzeugt Druck der über eine Leitung zum hydraulischen Ausrücklager bei der Kupplung übertragen wird. Dieses Lager drückt zentral auf die Tellerfeder der Kupplung. Diese unterbricht dadurch den Kraftschluss zwischen Motor und Getriebe. Das System verwendet Bremsflüssigkeit und hängt am Bremsflüssigkeitsbehälter. Der hat 2 Kammern, die durch einen Damm getrennt sind. Vorne für die Bremse, hinten für die Kupplung. Wenn Flüssigkeit eingefüllt wird, füllt sich erst die Kammer für die Bremse, dann die für die Kupplung. Wenn die Kupplung leer läuft, stört dass die Bremse nicht. Die Bremsflüssigkeit fließt durch einen Schlauch hinten am Behälter direkt in den Geberzylinder.
Los geht’s:
Batterie ausbauen. Zwei Schrauben am Kühlwasserbehälter lösen. Hinten im Batteriefach sind verschiedenen Dinge angeschraubt (Kabelstränge, Halterung für Kraftstofffilter, Plastikwand. Alles lösen und Plastikwand rausnehmen. Boden des Batteriefaches mit 4 Schrauben lösen, Kabelstrang ausklipsen und Boden rausnehmen. Kraftstofffilter, Kühlwasserbehälter und Kabelstrang irgendwie aus dem Weg binden, z.B. mit Fahrradgummis.
Dann Kupplung entleeren. Am einfachsten mit Bremsentlüfter Druck auf den Behälter geben, und den Entlüftungsnippel unten vorne am Getriebe aufmachen. Natürlich vorher Schlauch drauf und die austretende Flüssigkeit auffangen, das Zeug frisst sich durch jeden Stuhl.
Jetzt den ABS-Block aufbauen: Die 6 Leitungen abschrauben und den Stecker lösen. Dazu den Plastikbügel weit herausziehen wodurch der der Stecher rausgedrückt wird. Dann den Block abschrauben und aufrecht beiseite stellen und abdecken, damit nichts rausläuft und kein Dreck reinkommt.
Jetzt sieht man das Hinterteil des Geberzylinders. Schlauch und Druckleitung abbasteln. Jetzt kommt der unangenehme Teil. Handspiegel holen und irgendwie kopfunter um Fußraum Platz nehmen. Vom Kupplungspedal geht eine kleine Metallstange in den Zylinder. Die ist mit einem Kugelkopf und einem Plastikklipp im Pedal fixiert. Angeblich gibt es ein Spezialwerkzeug zur Demontage, dass ich aber nicht habe. Hier ein Bild von dem ausgebauten Klipp auf dem Kugelkopf.


Also, Handspiegel in Position und mit 2 Kleinen Schraubenziehern den Plastikklipp zusammendrücken und rausziehen. Bei mir ist der alte Zylinder dabei gestorben, weil er keinen Zug aushält. Ich habe diesen dann ausgebaut (siehe unten) und durch das Loch einen dicken Draht an der kleinen Stange befestigt und sie damit rausgezogen.
Der Zylinder ist mit 2 Schrauben seitlich fixiert. Diese kommen raus, und der Zylinder kann rausgenommen werden. An meinem Ersatzteil war kein Schaumstoffpolster dran, also diese vom alten Zylinder abnehmen und auf den neuen schieben. Den Plastikklipp auf den neuen Zylinder stecken (Kraft!) Sollte so aussehen.


Dann neuen Zylinder einbauen und anschrauben. Achtung, wenn die Feder vom Pedal irgendwann rausgefallen ist - unbedingt jetzt wieder einbauen. Dann den Plastikklipp in Pedal klipsen. Auf dem Bild ist er noch nicht eingerastet.


Im Motorraum die beiden Leitungen an den Zylinder wieder anbauen. Dann den ABS-Block wieder einbauen. Das übliche beachten (Leitungen spannungsfrei, nicht verkanten, peinliche Sauberkeit usw.). Wenn beide Systeme (Bremse und Kupplung) wieder dicht sind, Kupplungsbehälter bis zum Anschlag auffüllen, also über MAX. Entlüfter anschließen und 1 Bar auf den Behälter. Dann von hinten rechts beginnend die Bremsen entlüften. Achtung, es dauert ein bisschen bis die Luft kommt, die muss ja durch die komplette Leitung. ACHTUNG, auf keinen Fall „russisch“ entlüften, dabei drückt es evtl. Luft in der ABS-Block was zu Beschädigungen führen kann. Immer unbedingt auf den Füllstand achten. Auf gar keinen Fall Luft in den Block drücken. Wenn das erledigt ist, Kupplung entlüften. Dazu wieder ein Bar auf den Behälter, Pedal treten, oder mit Stock drücken und fixieren und wieder den Nippel am Getriebe auf, bis keine Luft mehr kommt. Pedal ein par mal treten und noch mal Nippel auf falls noch Luft drin ist. Nicht wundern, wenn das Pedal nicht von selbst wieder hoch kommt. Es wird durch den hydraulischen Druck aus dem Ausrücklager hoch gedrückt. Einfach mit der Schuhspitze hochholen.
Den ganzen Kram hinter der Batterie und diese selbst wieder einbauen und fertig.
Testbremsung nicht vergessen, bevors auf die Autobahn geht.

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#1

Vielen Dank für das Teilen der „Erfahrung“ :slight_smile:

CU
redjack

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Sehr gute beitrag. Jedoch einen fehler muss ich ansprechen.
Der Vorratsbehâlter für Bremsflüssigkeit ist Sicherheitsbedingt durch eine Wand in zwei Kammern geteilt. İst richtig. Aber der grund dafür ist nicht die trennung Bremse und Kupplung sondern zu gewâhrleiten das bei einem Leck im Bremsensystem nicht die ganze Bremse (alle vier Räder) ausfällt sondern nur zwei Räder.
Manche Hersteller trennen Vorderachse und Hinterachse.
Aber Manche trennen überkreuzt um eine bessere bremswirkung im Notfall zu erzielen indem man für kammer 1 VR mit HL für kammer2 VL mit HR bündelt.
Die Kupplung ist an einem der beiden Kammern angeschlossen.
Ich hoffe das mein Beitrag hilfreich geworden ist bezüglich Aufbau und Funktion des Vorratsbehälters.
Lg

Danke für den Beitrag! Was war der Grund des Wechsels, -undicht? -Was ist „russisch“ entlüften? Ich habe ein Romess-Druckgerät…
Danke und Gruss.
Bernhard

Den Plastikkeil gibt es für einen relativ geringen Preis von febi .

Es erspart viel Fummelei den Keil bei Demontage zu „zerstören“

„Russisch“ entlüften ist bei geöffneten Entlüfternippeln blasenfreie Bremsflüssigkeit von der Radbremse zum Nehmerzylinder zu pumpen .

Es geht aber auch meist anders. Letzter Schritt sollte immer sein bei betätigter Kupplund den Entlüfternippel am Nehmerzylinder zu öffnen , das entlüftet das letzte Stück am besten .

Guten Tag, Ich hätte eine Frage: Könnte man diesen nicht direkt wechseln indem man den geberzylinder direkt löst und so die Leitungen löst.

Kurzgefast im motorraum nichts machen zu müssen außer das entlüften

Die Klammer wird man wohl vom Motorraum aus lösen…aber das sieht man alles am Auto

Du meinst, ohne den ABS Block auszubauen?

Den geberzylinder habe ich jetzt ausgetauscht und die Kupplung entlüftet.

Problem ist jetzt dass das Auto weniger Leistung als davor hat. Und die Bremse ist sehr schwach.

Könnte der Leistungsverlust wegen den nicht entlüfteten Bremsen sein? Geht das Auto vielleicht in den Notlauf ?

Vermutlich ist die Verbindung von der Unterdruckpumpe zum Bremskraftverstärker beschädigt worden, Leitung untersuchen

Die Verbindung ist in Ordnung. In welcher Reihenfolge sollte man am besten entlüften?

Die ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit NICHT in Ordnung.

Bau das Ding aus und du wirst das erkennen .

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Ihr meint diesen Schlauch oder? (Das Bild ist aus dem Internet.) Die Bremse war vor dem Wechsel des Geberzylinder hart. Heute habe ich mehrmals die Bremsen und Kupplung entlüftet trotzdem ist dieser sehr weich.
Den Schlauch hatte ich mir schon vor längerer Zeit angeschaut. Es schaute so aus als ob dieser schon mal gerissen wäre und durch einen weichen Schlauch ersetzt wurde.

Mach ein Foto vom aktuellen Schlauch

Wie schon gesagt der lange Schlauch wurde gegen einen weichen Schlauch ausgetauscht, obwohl dieser ein harter sein müsste.

Momentan habe ich keine Zeit diesen auszubauen, aber ich denke mal ein Foto würde nicht weiterhelfen :wink:

Im eingebauten Zustand eben…

Ist die Bremse bei laufendem Motor so hart wie bei Motor aus nach paar mal Bremse treten :question:

Ja, aber bei laufendem Motor wird die Bremse nach na Zeit weicher, also während man auf den Bremspedal drückt.

Wenn das Pedal bei laufendem Motor im Stand ganz langsam runter gezogen wird so ist das normal, bei Motor aus muss alles fest stehen

Wie hast du die Kupplung entlüftet?

Weicher Schlauch in der Unterdruckleitung zieht sich zusammen und blockiert mehr oder weniger die Leitung.

Gruß

Die Kupplung habe ich über den Nippel an der Getriebe entlüftet. Der Kupplungspedal war sowieso schon in der gedrückten Stellung da ich den Geberzylinder wechseln musste. Nach der Entlüftung habe ich diesen mit den Fuß hochgezogen.

Genauso wie es oben beschrieben wird