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Ich habe 11 Jahre und 160 tkm einen Alhambra TDI Bj.2002 mit 115 PS und 5-Gang-Tiptronic (Wandler) gefahren. Seit einem halben Jahr und nunmehr knapp 15 tkm fahre ich einen Sharan Bj.2011 mit der 2,0l-TSI Maschine, die es nur mit DSG gibt. Automatik wollte ich bei dem ständigen Stop&Go im Pott unbedingt wieder haben, und das DSG hat mich rein technisch gewaltig gereizt: Kein Schlupf mehr, schneller schalten als manuell möglich, kein Mehrverbrauch, usw.
Mein Fazit nach dem halben Jahr:
Ich bereue es keinen Tag, sondern bin immer noch begeistert über die nicht spürbaren Schaltvorgänge und den unterbrechungsfreien Vortrieb beim Beschleunigen - da macht das DSG einen Riesenspaß. Genauso genieße ich aber auch das Cruisen, auch im Stadtverkehr meist im größten Gang, aber butterweich zurückschaltend, wenn z.B. eine Steigung es erfordert oder man ohne Gas auf eine der zahlreichen roten Ampeln zurollt.
Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die - technisch bedingt, wie auch schon einige Vorredner beschrieben haben - anders und für mich auch schlechter sind als bei der alten Tiptronic. Z.B. ist das langsame Rangieren schwieriger mit dem DSG: Ich muss regelmäßig rückwärts berghoch in eine enge Einfahrt rangieren, und das geht nicht mehr so leicht wie mit dem alten Diesel. Ich glaube nicht, dass das nur am geringeren Leerlaufdrehmoment des Benziners liegt, sondern dass hier vor allem die Technik mit der schleifenden Kupplung ausschlaggebend ist: Nur mit dem Gaspedal als Steuerinstrument gelingt das der DSG-Sensorik nicht so feinfühlig wie manuell mit Gas- und Kupplungspedal und eben auch nicht so komfortabel wie mit einer guten Wandlerautomatik: Erst tut sich nichts, man gibt etwas mehr Gas, es bewegt sich immer noch nichts, man gibt noch ein wenig mehr Gas, und irgendwann springt der Wagen quasi los. Man wird mit der Zeit auch dabei besser, aber man sollte darauf gefasst sein.
Am unangenehmsten ist bisher für mich die Gedenksekunde, die sich das DSG beim Losfahren aus dem Stand nimmt: Auf meinem Weg zur Arbeit habe ich eine Kreuzung ohne Ampel (Gott sei Dank), an der man Vorfahrt achten muss und oft nur kurze Lücken findet. Tritt man dann aufs Gas in der Hoffnung, so schnell wie beim Schaltwagen loszukommen, wird man enttäuscht: Der kreuzende Verkehr kommt schon gefühlt verdammt nahe, und der eigene Wagen bewegt sich immer noch nicht von der Stelle … hier muss ich vielleicht aber auch noch „üben“ und feintunen; z.B. die Auto-Hold-Funktion ausschalten und den Wagen schon kurz vor dem eigentlichen Lossprinten versuchen leicht anrollen zu lassen, damit die Kupplung schon am Schleifpunkt ist. Vielleicht haben zu diesen fahrtechnischen Situationen auch noch andere wertvolle Erfahrungen gemacht und Tricks und Tipps parat? Die „S“-Fahrstufe ist mir definitiv zu sportlich: Das gesamte Drehzahlniveau wird - zumindest beim Benziner - sehr weit nach oben verschoben. Man muss nicht viel tun, und der Motor bewegt sich trotzdem ständig am roten Bereich. Dagegen habe ich noch keine verkürzende Wirkung beim Anfahren aus dem Stand bemerkt, was ja mal sinnvoll wäre.
Noch ein Phänomen - aber eben auch technisch bedingt - ist das Verhalten beim manuellen Runterschalten z.B. bei Bergabfahrten, wo ich im Gegensatz zu einem Vorredner sehr wohl die Motorbremse nutzen möchte (daher vermisse ich auch die Schaltpaddels, die meiner - gebraucht gekauft - leider nicht hat):
Wohl zur Schonung des DSG wird beim Runterschalten automatisch Zwischengas gegeben, allerdings soviel, dass zwar der Schaltvorgang selbst wie gewohnt butterweich ist, aber der Motor schon hörbar aufheult und damit auch für einen Moment erstmal gar nicht den Wagen abbremst, sondern dem aktuellen Tempo entsprechend mehr Gas im dann niedrigeren Gang gibt, so dass das Tempo gefühlt erstmal gehalten wird. Ist zwar nur kurz, aber es ist definitiv ein Unterschied zum Runterschalten beim Schaltgetriebe, wo Zwischengas zwar nicht verboten, aber doch unüblich ist, weil diese gelegentliche Belastung ohne Probleme von den Synchronringen aufgenommen wird, so dass a) die Motorbremse schneller wirkt als beim DSG und b) der Motor nicht ohne Last erstmal aufheult. Bei der Wandlerautomatik gibt es dieses Phänomen auch nicht, dafür könnte es sein, dass die dabei auch nicht mehr ganz so ruckfrei zurückschaltet.
Von der Textlänge könnte man jetzt den Eindruck bekommen, dass ich das DSG doch eher negativ sehe - NEIN: Die „Problemchen“ konnte ich nur textlich nicht kürzer beschreiben. Die positiven Eigenschaften des DSG genieße ich auf mindestens 98% meiner Fahrstrecken, und da finde ich es besser als die alte Tiptronic, die auch nicht schlecht geschaltet hat, aber eben diesen Schlupf hatte.
Mein Rat: Wenn man sich nicht absolut sicher ist, unbedingt eine Probefahrt machen!
Wer hier die Entscheidung nur von Datenblättern über den Mehr- oder Minderverbrauch im theoretischen 0,2 l-Bereich abhängig macht, investiert evtl. eine große Menge Geld in die (persönlich) falsche Technik!
Und die Probefahrt nicht mit einem Diesel-DSG machen, wenn man auf einen Benziner spekuliert, und umgekehrt! Es sollte alles annähernd gleich sein, sonst hinkt der Vergleich! Ich glaube, dass moderne Wandlerautomatiken auch wesentlich schlupffreier geworden sind. Daher könnte für empfindliche Gemüter das spezifische Verhalten beim Rangieren und beim Anfahren aus dem Stand vielleicht störender sein als es die schnellen und weichen Schaltvorgänge beim Fahren wieder gut machen können. Alles hierbei ist sehr individuell und persönlich!