SGApedia

Prüfung Wandler für Ladedruck und AGR + Unterdruckschläuche

Bild von LANsurfer

Sinngemäss aus einem Artikel von Lowjumber:

"Lowjumber" schrieb:

Fehler, die Abends noch nicht da waren und am Morgen plötzlich auftreten, haben oft mit Mardern zu tun. Diese Erfahrung mache ich schon jahrelang. Besorgte Anrufe "Gestern ging es noch, heute nicht mehr" sind zu 98% Marderschäden.

Diese Anleitung dient dazu, das Unterdrucksystem von Turbolader (und AGR) zu prüfen und evtl. Teile zu ersetzen, wenn man bereits festgestellt hat, dass sich das VTG-Gestänge des Turboladers z.B. nach dem Fahtrzeugstart nicht oder nur unzureichend bewegt. Zweckmässigerweise sollte nach dieser Diagnose zuerst der Unterdruckschlauch von der Membrandose abgezogen werden und geprüft werden, ob dort überhaupt Vakuum anliegt bzw. ob man man den VTG-Hebel mit (hoher) Fingerkraft gegen die in der Membrandose befindliche Feder bewegen kann. Danach sollte das restliche Unterdrucksystem geprüft werden. Die wahrscheinlichste Fehlerursache ist ein durchgeriebener oder von Marderzähnen durchgebissener Unterdruckschlauch. Leider sind einige Unterdruckschläuche relativ versteckt angeordnet. Diese Anleitung hilft bei der Freilegung. Wenn die sorgfältige Prüfung der Unterdruckschläuche keine Anhaltspunkte ergeben hat, sollte als nächstes Bauteil der Druckwandler geprüft werden.

Bei den 90 PS und 110 PS Diesel-Motoren bis MJ 2000 befindet sich der Ladedrucksensor im Motorsteuergerät. Der Ladedruck wird vom Ladeluftrohr zum Motorsteuergerät in einem dünnen Schlauch übertragen. Wenn dieser Schlauch beschädigt ist, misst der Ladedrucksensor einen zu niedrigen Ladedruck. Daraufhin reduziert das Motorsteuergerät die Einspritzmenge und das Fahrzeug leidet ab da an akutem Leistungsmangel. Neben den klassischen Unterdruck- bzw. Überdruckschläuchen am Motor sollte auch dieser Schlauch bei den betreffenden Motoren auf Dichtheit überprüft werden. Der betreffende Schlauch ist auf dem letzten Bild im Beitrag mit einem Pfeil markiert.
Bei einer Funktionsstörung des AGR Ventiles kann es zu starken Drehzahlschwankungen im Leerlauf kommen, besonders bei Belastung des Motors, z.B. durch viele elektrische Verbraucher im Winter.

Vorab erst einmal die wichtigen Daten bezüglich Motor und Teilenummern.


betreffender Motor:

AUY (ASZ und BTB sollten ebenfalls inbegriffen sein)

Teilenummern:

Elektropneumatischer Wandler für Ladedruck: 1J0 906 627 A (Preis ca. 35,- Euro)
Elektropneumatischer Wandler für AGR: 1K0 906 627 D (Preis ca. 30,- Euro)
Magnetumschaltventil: 1J0 906 283 C (Preis ca. 20,- Euro)
Die Unterdruckschläuche sind als Formschläuche mit den Teilenummern 7M3 133 773 (C,D,E,F) erhältlich (Preis zwischen 11 und 48 Euro). Allerdings kann man auch Schlauch in Meterware verwenden (auf richtigen Innendurchmesser achten)

Wie legt man nun die Unterdruckschläuche und Wandler frei? Alle Teile befinden sich zumindest beim SGA mit Diesel-Motor etwas versteckt im hinteren Motorraum hinter einem Wärmeschutzblech.

Wandler Ausbau Teil 1

Da hinten, wo der Pfeil hinweist, muss man ran.

Als erstes müssen einige Verkleidungen abgebaut werden, um an die Wandler und das Ventil ran zu kommen.
- Die Verkleidung der Batterie ist mit zwei Plastikschrauben befestigt, die sich einfach herausdrehen lassen.
- Die Motorraumabdeckung muss nicht zwingend abgebaut werden. Der Ausbau schafft jedoch mehr Raum und wird daher empfohlen. Zum Ausbau der Motorabdeckung den Ölmessstab entfernen und die Abdeckung zunächst nach oben und dann nach vorne ziehen.
- Dann die Verkleidung des Wasserkastens abbauen. Dazu zunächst die lange Dichtlippe, auf der die Motorhaube im geschlossenen Zustand aufliegt, abziehen. Die Wasserkasten-Verkleidung ist mit 3 M6-Schrauben befestigt (siehe rote Pfeile). Der Ausbau der Verkleidung ist etwas trickreich. Die Verkleidung zunächst nur auf der linken Seite (Blick auf den Motor) nach vorne ziehen. Dann auf die rechte Seite am Scheibenwischermotor vorbei zirkeln und nach vorne herausziehen.

Ausbau Wandler Teil 4

Wadnler Ausbau Teil 6

Wandler Austausch Teil 7

Der Luftfilterkasten, der hier auch entfernt wurde, kann eingebaut bleiben. Es ist allerdings zu überlegen, ob man den Stecker des LMM abzieht, da man bei der Arbeit am Wandler sehr leicht mit der Kleidung daran hängen bleibt.

Nachdem die Verkleidungen entfernt sind und der Motorraum endlich wieder wie ein Motorraum ausschaut, sieht man ein Alu-Blech am hinteren Ende des Motorraumes (gelber Pfeil). Dieses gilt es zu entfernen.

Wandler Ausbau Teil 8

Hier noch einmal eine größere Aufnahme des Bleches. Vor ihm führen neben Unterdruckschläuchen auch die Kraftstoffzuleitung und die Rückleitung. Diese müssen aus den Halteklammern gezogen werden, damit man an die Blechschrauben gelangt, welche das Blech befestigen (Achtung: Verletzungsgefahr durch scharfe Kanten!).

Wandler Ausbau Teil 9

Hier die besagten zwei Blechschrauben, die entfernt werden müssen, um das Blech abzunehmen. Man kann sie vorsichtig mit einer Zange lösen und dann von Hand abschrauben. Zum Schutz der Gummischläuche, die vor den Schrauben verlaufen, sind auch noch Gummikappen auf den Schraubgewinden, welche abgezogen werden müssen. Das Blech hängt unten in einer Haltenase. Man muss die Dieselleitungen etwas weiträumiger aus den Halteclipsen lösen. Dann kann man die Leitungen ein über den schwarzen Halter schieben und das Blech zunächst nach vorne an der schwarzen Halterung vorbei und dann nach oben ziehen.

Wandler Ausbau Teil 10

Nach dem Ausbau des Bleches sollte sich dieser Anblick ergeben. Wie im Bild angedeutet ist links der Wandler für den Ladedruck, rechts selbiger für die Abgasregelung zu sehen. Diese kann man zu Testzwecken auch mal vertauschen, um vor allem einen Defekt des Ladedruck-Wandlers zu überprüfen. Das Magnetumschaltventil befindet sich in der Mitte. Die Wandler sind jeweils links und rechts mit M6 Muttern angeschraubt, das Magnetventil ist nur mit einem Clip an der Wand befestigt.

Wandler Ausbau Teil 11

Nun kann man die Funktion der Wandler prüfen. Am untersten Schlauch sollte bei laufendem Motor Vakuum anliegen. An dem darüber liegenden Wandler-Ausgang sollte im Leerlauf ebenfalls Vakuum anliegen, wenn der unterste Schlauch wieder aufgesteckt ist. Ist an dem Ausgang kein Vakuum festzustellen (Motor an), ist der Wandler defekt.

Hier noch einmal eine größere Abbildung der drei Teile nach dem Austausch gegen neue. Im Vordergrund ist auch ein neu eingesetzter Druckschlauch zu erkennen, welcher zum Unterdruck-Stellelement führt.

Zum Schluss noch eine Grafik welche die Verläufe der Unterdruckschläuche darstellen soll. Genauere Abbildungen sind z.B. der ErWin Reparaturanleitung zu entnehmen.

Wandler Ausbau Teil 12

1 = Unterdruck-Stellelement
2 = elektropneumatischer Wandler für Ladedruck
3 = Magnetumschaltventil (Magnetventil für Ladedruckbegrenzung)
4 = elektropneumatischer Wandler für Abgasregelung
5 = Luftfilter
6 = Ansaugstutzen mit Abgasrückführungsventil
7 = Rückschlagventil
8 = Unterdruckvorratsbehälter
9 = Unterdruckanschluss zwischen Tandempumpe und Bremskraftverstärker
10 = Turbolader mit Membrandose (diese kann beim AUY nicht mehr alleine getauscht werden)

So ordentlich sortiert wie hier dargestellt findet man die Unterdruck-Schläuche natürlich nicht im Motorraum. Wink

Für alle hier gemachten Angaben kann ich natürlich keine Gewähr übernehmen.

Der Ladeluftschlauch zum Motorsteuergerät. Bildquelle: Thwfrank

SGA-Stichworte: Druckregelventil, Druckwandler, elektro-pneumatischer Wandler, Ladedruckbegrenzungsventil, Ladedruckregelventil, Leistungsmangel, Unterdruckschlauch, Vakuum, Wandler

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