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Steuerkettentausch beim 1,8T (AWC)

Bild von PETRYsoft

Da hier gelegentlich darüber diskutiert wurde, dass der Steuerkettenspanner beim 1,8T defekt ist, habe ich jetzt eine Anleitung zum Tausch des Spanners und der Steuerkette verfasst (AWC-Motor).

Der Tausch der Steuerkette und des Kettenspanners keine Arbeit, die man 'mal eben' erledigt und sollte nur von versierten Schraubern vorgenommen werden, da hier sehr große Übung und Sorgfalt beim Zusammenbau verlangt wird.
Bei fehlerhafter Synchronisation der beiden Nockenwellen ist der Motor definitiv nach der ersten Beschleunigung nicht mehr zu gebrauchen!

Zunächst müssen die Abdeckungen des Motors und des Zahnriemens, sowie der Luftfilterkasten entfernt werden.
Die Zahnriemenabdeckung ist mit jeweils 1 Halteklammer vorne und hinten befestigt, jedoch ist die hintere Klammer schwer zugänglich und mit dem gelben Pfeil im Bild 1 ungefähr markiert.

Ventildeckel 1
(Bild 1)

Danach sollte der Stecker des Hallgebers abgezogen werden. Der Stecker befindet sich oberhalb des Generators, vor dem Zahnriemen. Man sollte darauf achten, dass die Verriegelungsfeder des Steckers nicht herunterfällt.

Damit die Synchronisation der Nockenwellen korrekt durchgeführt werden kann und es keine Beschädigungen der Ventile gibt, ist der Motor auf 'OT' zu stellen (Bild 2).

Zahnriemen in OT-Stellung
(Bild 2)

Dazu sollten die Zündkerzen entfernt werden, um das Durchdrehen des Motors von Hand zu erleichtern. Der Motor darf ausschließlich an der unteren Kurbelwellenscheibe gedreht werden, um ein Überdehnen des Zahnriemens zu vermeiden. Dazu ist ein Schlüssel SW 19 mit 12-Kant Kopf(!) im Uhrzeigersinn zu drehen, bis die OT-Markierungen an der oberen Zahnriemenscheibe übereinstimmen.

Als nächsten Arbeitsgang sind die Schläuche der Kurbelgehäuseentlüftung (Bild 1, gelb markiert) und die beiden Schrauben des Entlüftungsrohrs (Kreuzschlitz, grün markiert) zu entfernen. Die beiden Befestigungen für die Zündkabel sind nur eingesteckt und können vorsichtig nach oben abgezogen werden.
Danach sind die rot markierten Muttern (SW 10) am Ventildeckel zu entfernen, eine Mutter wird im Bild noch vom Öleinfüllstutzen verdeckt, der Stutzen sollte ebenfalls entfernt werden.
An der Stelle, an der im Bild 1 die Stecknuss (hinten links) zu sehen ist, sind 2 Muttern angebracht, die Obere hält einen Bügel für den dahinter liegenden Luftschlauch.
Jetzt kann der Ventildeckel vorsichtig nach oben abgenommen werden. Die umlaufende Ventildeckeldichtung ist zu entfernen und kann nicht wieder verwendet werden. In diesem Arbeitsgang können die Dichtflächen des Zylinderkopfs und des Ventildeckels von den Dichtungsresten befreit und gründlich gereinigt werden. Es müssen völlig glatte und saubere Flächen zurückbleiben.

Ventildeckel 2
(Bild 3)

Im Bild 3 ist der Motor mit entferntem Ventildeckel zu sehen, die hintere Nockenwelle ist die Auslass- und die Vordere ist die Einlass-Nockenwelle (hier noch mit Kunststoff-Abdeckungen geschützt, die einfach abgehoben werden können).

Nun sollte der Zahnriemen von der oberen Zahnriemenscheibe entfernt werden. Dazu muss die Spannrolle entlastet werden, in dem man einen Hebel hinter der Spannrolle herunter drückt. Ein Gewindestab M5x55 (abgesägte Schraube) wird in die Gewindebohrung unterhalb des Hebels gedreht und von oben mit einer großen Unterlegscheibe und einer Mutter der Hebel nach unten drückt (Bild 4), bis der Zahnriemen von der oberen Zahnriemenscheibe abgenommen werden kann.

Entspannen des Zahnriemens
(Bild 4)

Vorsicht: der Zahnriemen darf hierbei nicht geknickt werden, um eine vorzeitige Beschädigung zu vermeiden und die Kurbelwelle darf ab diesem Zeitpunkt keinesfalls mehr verdreht werden, da sonst die Kolben an den Ventilen anschlagen.

Tip: damit die exakte Position und korrekte Vorspannung beim Einbau wieder gefunden wird, sollte man den Zahnriemen am OT-Punkt ebenfalls markieren. Beim Abnehmen sollte darauf geachtet werden, dass der Riemen zur unteren Zahnriemenscheibe immer gespannt gehalten wird, damit dieser nicht verrutscht, bzw. später ohne Probleme aufgelegt werden kann.

Jetzt ist die obere Zahnriemenscheibe zu entfernen. Im Zylinderkopf befindet sich hinter der Scheibe eine Stelle, an der ein Werkzeug zum Arretieren der Riemenscheibe angebracht werden kann, um die Zentralmutter zu lösen.
Als Nächstes wird der Hallgeber an der vorderen Nockenwelle entfernt, diese Arbeit ist unkritisch.

Werzeug zum Halten der Steuerkette, 2. Ansicht
(Bild 5)

Steuerkette 2
(Bild 6)

Die Bilder 5 und 6 zeigen die Steuerkette, die sich auf der Getriebe-Seite des Motors befindet. Im Bild 5 ist zu erkennen, dass die Kette leider nicht einfach zur Seite weggezogen werden kann, da die Kette breiter ist, als der Spalt zwischen den Zahnrädern und Motorgehäuse, damit erhöht sich der Aufwand zum Tausch erheblich.
Ich habe jedenfalls keinen Weg gefunden, die Kette zu entnehmen, ohne die Nockenwellen auszubauen.

Tip: falls die Zündkerzen ausgebaut wurden, sollten die entsprechenden Öffnungen abgedeckt werden, damit keine Kleinteile in den Brennraum gelangen können und evtl. mühsam mit einem Magnetheber (sofern magnetisch...) wieder heraus geholt werden müssen.

Nun ist das Werkzeug zum Arretieren des Kettenspanners einzusetzen (Bild 7).

Werkzeug zum Halten des Steuerkettenspanners
(Bild 7)

Im Zylinderkopf befindet sich an der entsprechenden Stelle eine Gewindebohrung, in die die Schraube eingedreht wird, der Arretier-Arm wird leicht auf den Kettenspanner aufgesetzt und die Schraube angezogen, bis sich das Werkzeug nicht mehr von Hand verdrehen lässt.
Das Werkzeug darf nicht zu fest angezogen werden, damit der Kettenspanner nicht beschädigt wird (sofern dieser nochmal verwendet werden soll). In Bild 8 ist das Werkzeug an einem neuen Kettenspanner zu erkennen.

Neuer Steuerkettenspanner
(Bild 8 )

An jedem neuen Kettenspanner ist das Werkzeug vormontiert, darf aber nie abgenommen werden, solange keine Kette aufgelegt ist, da die Federn des Spanners unter hohem Druck stehen (Verletzungsgefahr!) und das Teil nicht mehr zusammengesetzt werden könnte.

Soll die Steuerkette weiterverwendet werden, ist darauf zu achten, dass die Laufrichtung gleich bleibt, es ist eine geeignete Markierung anzubringen. Wird die Kette umgekehrt wieder eingebaut, ist mit einem erhöhten Verschleiß zu rechnen.

Jetzt können die Nockenwellen ausgebaut werden, dazu sind die Schrauben der Nockenwellenlager in der entsprechenden Reihenfolge zu entfernen. Die Lagerdeckel sind markiert und müssen später unbedingt an der selben Stelle und in der gleichen Richtung wieder eingebaut werden (Bilder 9 und 10).

Nockenwellenlagerdeckel (Einlass)
(Bild 9)

Nockenwellenlager (Auslass)
(Bild 10)

Mit welcher Nockenwelle begonnen wird, ist unerheblich, zunächst werden die Deckel 1, 2, 4 und 6 bei beiden Wellen ausgebaut und der Kettenspanner ausgebaut. Erst danach werden die Schrauben der Deckel 3 und 5 über Kreuz in mehreren Durchgängen entfernt. Sämtliche Schrauben werden jew. über Kreuz gelöst und später auch so wieder angezogen.

Die Nockenwellen sind jetzt frei und können angehoben werden, damit die alte Steuerkette entnommen werden kann. In diesem Arbeitsschritt sind auch die beiden Wellendichtringe auszutauschen, da man später nur mit speziellem Werkzeug herankommt.
Die Gewindebohrungen der Lagerdeckel-Schrauben müssen ölfrei sein, da sich sonst kein korrektes Anzugsdrehmoment erreichen lässt.

Der Einbau der neuen Steuerkette ist nicht ganz unkompliziert, da man gleichzeitig auf mehrere Positionen achten muss.
Die Kette wird zunächst locker in der Zahnräder der beiden Wellen eingelegt und die Wellen in die Lagerschalen zurückgelegt (vorher die Lagerschalen etwas ein ölen).

OT-Markierungen der Nockenwellen
(Bild 11)

Um die OT-Stellung der Nockenwellen zu finden, ist eine Kerbe an jeder Welle zu erkennen (Bild 11), die mit einem Pfeil auf dem Lagerdeckel 1 übereinstimmen muss. Zur ersten Justage können die Lagerdeckel aufgelegt und ggf. mit den Schrauben leicht fixiert werden (Schalen ebenfalls etwas ein ölen, dabei aber die Auflageflächen unbedingt Öl frei halten), die Schrauben dürfen jetzt noch nicht festgezogen werden. In Bild 5 sind mehrere Markierungen zu sehen, mit denen die exakte Ausrichtung der Kette erreicht wird. Die beiden roten Pfeile kennzeichnen Stift 1 und Stift 16 der Steuerkette, die jeweils mit den beiden Pfeilen auf den Lagerdeckeln in einer Reihe liegen müssen.
Es müssen exakt 16 Stifte der Steuerkette abgezählt werden, sonst wird die notwendige Spannung nicht erreicht.
Wenn die Nockenwellen jetzt noch nicht exakt auf OT gestellt sind (Bild 11), ist das noch nicht tragisch, das kann später noch korrigiert werden.
Bevor der neue Kettenspanner eingesetzt wird, müssen 2 Dichtungen eingebaut werden. Zunächst wird der
halbrunde Dichteinsatz (Bild 12) mit Dichtmittel eingesetzt und die Gummidichtung (Bild 13) aufgelegt. Das Dichtmittel (Original-Nr.: D 454 300 A2) ist im Bereich der rot eingezeichneten Markierungen aufzutragen.

Dichtung des Steuerkettenspanners
(Bild 12)

Dichtung des Steuerkettenspanners
(Bild 13)

Nun kann der Kettenspanner eingesetzt und festgeschraubt werden (10 NM), anschließend sind die Nockenwellen-Lagerdeckel in der vorgegebenen Reihenfolge festzuschrauben: zunächst über Kreuz Deckel 3 und 5, danach Deckel 6, der ebenfalls vorher mit dem Dichtmittel bestrichen wurde (Bild 14) (Original-Nr. AMV 174 9004 01).

Nockenwellenlager links
(Bild 14)

Dabei ist darauf zu achten, dass die beiden Wellendichtringe nicht verkantet in den Schalen liegen. Zwischendurch kontrollieren, ob die Markierungen der Nockenwellen korrekt mit den Markierungen der Lagerdeckel 1 übereinstimmen und die 16 Stifte der Steuerkette noch ab zu zählen sind.

Jetzt können die Lagerdeckel 4, 2, und 1 über Kreuz festgezogen werden, alle Anzugsmomente betragen 10 NM. Ich rate, die Schrauben zu erneuern (Stückpreis 0,49 EUR), da diese der Motorwärme ausgesetzt sind und relativ leicht abreißen.
Die Zahnriemenscheibe kann jetzt wieder befestigt werden, ein Verdrehen ist nicht möglich, es muss nur darauf geachtet werden, dass die OT-Markierung aus Richtung Luftfilter erkannt wird. Anzugsdrehmoment: 65 NM.

Bevor der Ventildeckel wieder aufgesetzt wird, sind noch die Abdeckungen der Einlassnockenwelle aufzusetzen und die Dichtung der Zündkerzenschächte auszutauschen, die neue Ventildeckeldichtung aufzulegen, sowie den Halter des Steuerkettenspanners zu entfernen(!). Zur Sicherheit nochmal kontrollieren, ob alle OT-Markierungen übereinstimmen und die 16 Stifte gezählt werden können.

Da genügend Dichtmasse in der Tube ist, kann man die Ventildeckeldichtung ebenfalls damit bestreichen.
Der Ventildeckel wird mit den 10 Muttern (Bild 1) mit 10 NM festgeschraubt, anschließend ist das Rohr der Kurbelgehäuseentlüftung mit den beiden Kreuzschlitzschrauben zu befestigen.
Nun sollte der Zahnriemen wieder aufgelegt werden, dabei hilft die vorher angebrachte Markierung, um die richtige Position zu finden. Die Spannrolle ist danach wieder zu spannen, in dem die Mutter der Gewindestange gelöst und dann die Gewindestange entfernt wird.
Nun kann die Abdeckung des Zahnriemens wieder angebracht und mit den beiden Klammern arretiert werden, danach sind die Schläuche der Kurbelgehäuseentlüftung und die Zündkabel zu befestigen, sowie die Zündkerzen einzusetzen und die Zündspulen einzubauen.
Nicht zu vergessen ist der Stecker des Hallgebers, der mit der Haltefeder arretiert wird. Als letzte Aktion bleibt noch der Luftfilterkasten mit den jeweiligen Luftleitungen.

Benötigte Teile:
Dichtungssatz Zylinderkopfhaube (incl. Dichtung f. Zünderkzenschacht): Elring, OEM-Nr.: 058 198 025 A; EUR 19,60
Dichtungssatz Steuerkettenspanner: Elring, OEM-Nr.: 058 198 217; EUR 6,20
Steuerkette: Febi, OEM-Nr.: 078 109 120 oder 058 109 229 (B); EUR 36,50
Steuerkettenspanner: Febi, OEM-Nr.: 058 109 217 B; EUR 100,20
2x Wellendichtring Nockenwelle: Elring, OEM-Nr.: 068 103 085 (A/E/G); EUR 6,90/Stück
32x Lagerdeckelschraube: VAG, WHT002015; EUR 0,49/Stück
Steuerkettenspanner-Halter (Hazet/VAG 3366); im Zubehörhandel EUR 12,00
Dichtmittel (Original: D 454 300 A2), 'Pertec Uniplast blau' ist auch geeignet, die Temparaturbeständigkeit muss mind. 250 Grad betragen; EUR 3,00
Dichtmittel (Original: AMV 174 9004 01), das Pertec-Dichtmittel ist hier ebenfalls geeignet.
Gewindestift M5x55, Mutter M5, breite Unterlegscheibe
Stecknuss, SW 19, 12-Kant

Zum Abschluss noch das Bild des alten Kettenspanners (2 Ansichten) nach 380.000 km, die Arbeit wäre hier noch nicht notwendig gewesen, das sieht man aber erst richtig, nachdem die Teile alle abgebaut wurden.

gebrauchter Steuerkettenspanner

SGA-Stichworte: Kettenspanner, Nockenwelle, Steuerkette

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