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Reparatur des Türschlosses

Bild von dieselsmell

Reparatur des Türschlosses

Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich so dämlich war, die DVD-Monitore auch während des Skiurlaubes an den Kopfstützen zu lassen. Als ich den Kindern für den Nachhauseweg eine DVD einlegen wollte, ging das auch mit roher Gewalt nicht mehr. Very Happy Ein Blick auf das Türschloss zeigte mir dann, daß eine Befragung der Kinder nach dem Verbleib des Players überflüssig sein würde, da das Schloss die klassischen Spuren nach der Anwendung des sogenannten Polenschlüssels aufwies. Heul

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Die nachfolgende Beschreibung zeigt den Ausbau des Schlosses, die Funktionsweise und den Zusammenbau. Auch ohne Gewalteinwirkung bei einem Einbruch kommt es gelegentlich vor, dass der Exzenter oder der Mitnehmer abbrechen. Manchmal lässt sich dann die Tür nicht mehr entriegeln, weil der Schlüssel fest steckt. Dann hilft nur, den Schlüssel mit einer Zange möglichst dicht am Schloss greifen, mit Gewalt in die Ausgangslage zurückdrehen und hoffen, dass er dabei nicht abbricht.

Um das Türschloss auszubauen, muss zunächst eine Torx Tx25-Schraube an der Innenfalz der Tür entfernt werden. Die Schraube kann in das Innere der Tür fallen, also Vorsicht!!!

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Nun den Türgriff in Fahrtrichtung schieben und dann herausziehen. Eventuell verhindert der Schließhebel, dass der Türgriff herausgezogen werden kann. Den Schließhebel mit einem Schraubendreher nach rechts schieben bzw. den Mitnehmer durch Öffnung des Schlosses mit dem Schlüssel zur Seite bewegen.

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So sieht dann der Türgriff mit dem Schloss aus:

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Im Schließzylinder des Schlosses befinden sich 8 federbelastete Sperrklingen.

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Die Federn drücken die Sperrklingen aus dem Schließzylinder heraus.

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Wird nun der Schlüssel ins Schloss gesteckt, sorgt die Innenbahn des Schlüssels dafür, dass die Sperrklingen genau in der Mitte des Zylinders zentriert werden. Dadurch wird der Schließzylinder drehbar.

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Die Verriegelung des Türschlosses kommt dadurch zustande, dass die Sperrklingen in eine nicht drehbare Hülse eingreifen.

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Bei der Schwäche dieser Hülse setzt der Polenschlüssel an. Das Türschloss wird mit Gewalt gedreht, bis die Hülse bricht. Auf dem Foto erkennt man die tordierte Hülse und die mit Pfeilen markierten Risse. Die Zerstörung der Hülse führt dazu, dass man das Schloss auch ohne passenden Schlüssel öffnen kann. Wenn die Hülse aus NiRo-Stahl statt aus Druckguß gefertigt wäre, würde der Polenschlüssel vermutlich nichts bewirken können.

Viele Opfer des Polenschlüssels ersetzen das Türschloss einfach durch einen Türgriff ohne Schloss, da die Tür in 90% der Fälle sowieso mit der Fernbedienung geöffnet wird. Darauf habe ich jedoch bewusst verzichtet.
Nach meinem Kenntnisstand bekommt man beim Galaxy das Türschloss nur zusammen mit dem Griff für einen größeren Geldbetrag. Ich hatte mir im Vorfeld der Reparatur ein anderes Türschloss mit zwei Schlüsseln besorgt. Leider musste ich feststellen, dass die Codierung des Schlosses nicht allein durch unterschiedliche Bauformen der Sperrklingen erfolgt sondern auch dadurch, wo die Feder angebracht ist, die die Sperrklinge aus dem Zylinder herausdrückt, wenn der Schlüssel abgezogen wird. Beim meinem originalen Schloss ist die Feder ziemlich zufällig mal oberhalb mal unterhalb, mal rechts, mal links angeordnet. Ich habe dann ein Puzzle mit 16 Sperrklingen veranstaltet. Am Ende musste ich zwei Sperrrklingen mit dem Dremel ca. 0,3 mm abschleifen, damit die Klingen bündig im Schließzylinder sitzen, wenn der Schlüssel steckt.

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Für die Reparatur muss das Schloss jedoch zunächst zerlegt werden. Dafür muss die U-förmige Sicherungsscheibe zu Seite weggezogen werden. Das klappt jedoch nur, wenn man das Schloss wie auf dem Bild gezeigt mit Kraft zusammendrückt.

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Für die weitere Zerlegung müssen die beiden Zapfen am Schließzylinder so gedreht werden, dass sie über den Nuten der Hülse zum Liegen kommen. Das kann problematisch sein, wenn das Schloß durch Anwendung des Polenschlüssel beschädigt wurde.

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Nachfolgendes Bild verdeutlicht das Problem:

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Nachfolgende Bilder zeigen den Zusammenbau. Zuerst den Ring einsetzen.

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Den Zusammenbau von Mitnehmer, Exzenter und Sicherungsring übt man am Besten erst mal "trocken", ohne die Feder.

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Nun ist es auch mit Feder nicht mehr allzu schwer. Den Mitnehmer lagerichtig einsetzen.

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Dann eine Schutzbrille aufsetzen und die Feder wie gezeigt einsetzen. Die Feder muss nun gespannt werden, so dass das Schloss nach dem Auf- oder Zuschließen das Bestreben hat, in die Ausgangslage zurückzukehren. Dazu greift man die Feder am Besten mit einer Spitzzange vor dem oberen Schenkel. Nun dreht man die Feder um 180° so, dass sie im Durchmesser kleiner wird. Dann wird das Federende in die Nut geschoben. Ließe man nun los, würde die Feder einige Meter weit springen. Um das zu verhindern, drückt man die Feder mit dem Exzenter schräg an der Zange vorbei über den Bolzen des Schließzylinders. Die Feder mit der Zange erst dann loslassen, wenn man sicher ist, dass das Federende nicht aus der Nut herausspringen kann. Dann den Exzenter ganz aufschieben und die Verbindung mit der Sicherungsscheibe sichern.

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Der Einbau in die Tür erfolgt umgekehrt wie der Ausbau.

Ersatzteile:

Die Huelse, die Sicherungsscheibe, die Feder, den Exzenter und den Mitnehmer gibt es nicht mehr einzeln, sondern nur noch als Set 7M0 898 083 A für etwa 13,50 € (Stand 16.11.11).

Nach erfolgter Fehleranalyse bzw. Reparatur würde ich mich über ein Feedback freuen:



SGA-Stichworte: Exzenter, Mitnehmer, Schloss, Türschloss

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