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Hilfe zu Diagnose bei KFZ-Klimaproblemen

Bild von Meschi

Hallo miteinander,

dieser Beitrag soll Euch bei Klimaproblemen helfen, die Arbeit der Werkstätten zu beurteilen bzw. ein Bewusstsein dafür zu schaffen, für Klimaarbeiten doch besser einen Klimaprofi!! aufzusuchen. Die Informationen stammen nicht alle von mir, denn ich bin kein solcher Klimaprofi. Ich habe nur versucht, die wertvollen Informationen zur Klima, die im Forum gepostet werden, in diesem Beitrag zu bündeln, bevor sie in den Weiten des SGAF versacken.
Dafür werden wir Infos zum Thema liefern, die einen Einblick in die Klimatechnik selber ermöglichen, aber auch von Diagnosen an Anlagen berichten. Manches davon ist bereits im Forum zu finden, aber an vielen verschiedenen Stellen. Daher wollen wir die Dinge in diesem Beitrag im Laufe der Zeit zusammentragen und übersichtlich verfassen. Zusätzliche Infos sind immer willkommen. Sie werden dann in diesen Beitrag eingearbeitet. Daher betrachtet diesen Beitrag nicht als "fertig".


Wichtiger Hinweis:
Da Laien das Arbeiten an solchen Anlagen seit kurzem verboten ist, soll der nachfolgende Bericht natürlich nur der Veranschaulichung dienen. Daher müssen wir auch jede Verantwortung ablehnen, sollte jemand selber Arbeiten an der Klimaanlage durchführen und - noch schlimmer - ggf. zu Schaden kommen. Jeder ist für sein Handeln selber verantwortlich!
Die Gründe warum Laien das Verboten ist sind eigentlich recht schnell erklärt und sollten auch jedem, der darüber nachdenkt an einer Klimaanlage zu schrauben, bewusst sein.
R134a hat einen Siedepunkt von -26,3°C. Das bedeutet wenn jemand die Klimaleitung öffnet und ein Spritzer Kältemittel gelangt ins Auge, war's das mit dem Sehvermögen. Auf der blanken Haut passieren schwere Erfrierungen (wie Verbrennungen), die auch irreparabel sein können.
Allerdings ist der offizielle Grund für das Verbot wohl der Umweltschutz, denn entweichendes Klimamittel ist schädlich für unsere Umgebung. Leider wollen viele Werkstätten davon offenbar wenig wissen, denn sie befüllen eine offensichtlich undichte Klimaanalge erstmal wieder fröhlich mit neuem Mittel, anstatt eine ordentliche Diagnose zu machen.

Auch beim Wechsel des Druckschalters kann es unter ungünstigen Umständen (mir wurde im Forum von einem Fall berichtet) dazu kommen, dass Kältemittel unter Druck entweicht, wenn der Druckschalter rausgeschraubt wird. Daher ist es unzulässig, dass ein Laie diese Arbeit ausführt. Also nur eine entsprechende Fachkraft mit passender Schulung.

Da anzunehmen ist, dass einige Leute solche Warnungen in den Wind schiessen, will ich an dieser Stelle wenigstens dringend dazu raten, mindestens eine Schutzbrille und Schutzhandschuhe sowie sonstige Hautbedeckungen bei dieser Arbeit zu tragen. Einige Spritzer Kältemittel auf's Auge können zur Erblindung und auf der Haut zu schweren Kälteverbrennungen führen. Daher unbedingt entsprechend schützen! Ihr handelt auf jeden Fall auf eigene Verantwortung. Die beschriebene Gefahr ist durchaus real und nicht nur "konstruiert".

Das ist gleichzeitig auch eine Art Grundinformation, an der man einen guten Betrieb erkennen kann (nach meiner Meinung). Wenn der Mechaniker ohne jegliche Vorsichtsmaßnahmen da ran geht, sollte man sich fragen, ob der wirklich weiß, was er da macht.


Vorwort:
Wir müssen hier im Forum leider oft lesen, dass viele KFZ-Werkstätten mit der Fehlersuche bei Klimaproblemen wirklich überfordert sind. Das gilt auch für Vertragswerkstätten. Das ist auch nicht verwunderlich, denn der Beruf des Mechatroniker/in für Kältetechnik (Kälteanlagentechniker in Österreich bzw. bis 2007 Kälteanlagenbauer) ist ein eigener Ausbildungsberuf mit 3,5 Jahren Ausbildungszeit (3 Jahren in Österreich) und hat nicht besonders viel mit sonstiger KFZ-Technik zu tun. Lernt man "KFZ", ist das Thema Klima auch kein Hauptpunkt. Wie soll also der KFZ-Lehrling das Wissen bekommen, das eine Klimafachkraft durch die entsprechende Ausbildung erhält?

Leider sieht die Realität häufig so aus, dass eine KFZ-Werkstatt sich ein Klimaservicegerät anschafft - oft verbunden mit einer kurzen Einweisung - und dann ist man der Meinung, ein Klimaexperte zu sein. Hier im Forum gibt es haufenweise Berichte, die vom Gegenteil zeugen, leider oft zu Lasten des Kunden. Das gilt natürlich nicht für jede KFZ-Werkstatt, aber die Häufung unfachmännischer Reparaturen bzw. Reparaturversuche beim Thema Klima ist doch sehr deutlich erkennbar, besonders in der wärmeren Jahreszeit.

Über das Funktionsprinzip einer KFZ-Klimaanlage kann man hier mehr lesen. Danke an Mavo an dieser Stelle.

Noch ein Wort zu den Klimaservicegeräten:
Moderne Geräte sind in der Regel vollautomatische Servicestationen, die an die KFZ-Klimaanlage mittels Schläuchen angeschlossen werden. Es wird dann im Menü ausgesucht, um welches Fahrzeug es sich handelt und der Rest wird vom Gerät automatisch erledigt (Kältemittel/PAG-Öl absaugen/evakuieren und wiegen, Dichtigkeitsprüfung per Vakuum und anschließender Neubefüllung). Das ist für eine einfache Wartung okay.

Sobald die Anlage aber nicht einfach nur gewartet werden muss, sondern eine Reparatur benötigt, hilft der Automatismus wenig. Hier muss fundierte Kenntnis von der Kältetechnik vorhanden sein. Zudem ist es sehr hilfreich für eine schnelle Fehlersuche, wenn der Klimamonteur die häufigsten Fehlerquellen der gängigsten Fahrzeugtypen kennt.

Zu den leider immer wieder auftretenden Fehlern ist die Falschbefüllung der Klimaanlage im SGA. Kommt eine falsche Menge Kältemittel in die Anlage, geht unter Umständen nichts mehr. Die richtigen Mengen könnt ihr mit einem Klick auf Füllmengen nachlesen.

Für die Ermittlung der Füllmenge ist es wichtig zu wissen, ob Ihr eine Einfach- oder Doppelklima habt. Das könnt ihr hier nachlesen.

Ein weiterer Fehler der gerne in den Werkstätten passiert ist der Umgang mit dem Klimaöl (bzw. Kompressoröl). Dieses Öl enthält teilweise ein Kontrastmittel um Lecks zu finden. Zusätzlich kann auch noch Kontrastmittel hinzugefügt werden. Was die wenigsten Werkstätten allerdings beachten ist die Tatsache, dass ein Zusatz von mehr als 5% Kontrastmittel unweigerlich zum Tod des Kompressors führt, da das Mittel die Schmierfähigkeit des Öls reduziert. Auch eine Überfüllung des Kompressoröls (nicht verwechseln mit Kältemittel) führt dazu, dass der Kompressor nicht mehr arbeiten kann und im schlimmsten Fall kaputt geht.

Wie funktioniert ein Klimakompressor? Klicke hier!


Diagnose:
Zur Leistungsprüfung einer Klimaanlage bzw. zur grundsätzlichen Diagnose kann man folgendermaßen vorgehen:
- Motor betriebswarm
- Außentemperatur ca. 20°C
- Klimaanlage auf höchster Stufe (oder in Stellung LO)
- Gebläse auf Stufe 3 oder AUTO
- leicht erhöhte Drehzahl von ca. 1500 u/min
- Alle Luftdüsen bis auf die Mittelausströmer geschlossen
- Digitales Thermometer an den Mittelausstömern anliegend

Wenn die Ausblastemperatur am Mittenausströmer nach ca. 5 min ca. +2 bis ca. +8 °C kalt ist ist die Anlage in Ordnung.

Weitere Werte um einen Defekt einzugrenzen wären die Temperaturen an den Klimaleitungen:

- Trockner Temperaturdifferenz Eingang - Ausgang < 3°C. Wenn > 3°C Trockner defekt
- Kondensator Temperaturdifferenz Eingang - Ausgang im Bereich von 5 - 20 °C ansonsten Kondensator defekt


Undichte Klimaanlage:
Eine "saubere" Diagnose oder Lecksuche wird in den besser geschulten Werkstätten normalerweise bei evakuierter Anlage mit einer Stickstoffbefüllung gemacht. Eine Überprüfung mit Unterdruck funktioniert zwar auch, aber die Praxis hat gezeigt das dies Art der Prüfung nicht aussagekräftig genug ist. Die Unterdruckprüfung passiert mit den automatischen Servicegeräten beim normalen Wartungsdurchlauf. Es gab schon Anlagen, die mit Unterdruck dicht waren und dann mit Überdruck Undichtigkeiten gezeigt haben.

Außerdem warne ich ausdrücklich davor, wenn eine Werkstatt sogenanntes Klimadichtmittel einfüllt. Ist dieses Mittel in der Anlage und die Anlage ist weiterhin undicht, müssen zur Reparatur alle Teile getauscht werden, die mit dem Dichtmittel in Berührung gekommen sind (also faktisch die gesamte Anlage). Das ist dann normalerweise ein wirtschaftlicher Totalschaden!


Lecksuche:
Jedem sollte bewusst sein, dass eine vernünftige Lecksuche an der Klimaanlage bei kleinen Lecks nicht einfach innerhalb einer halben Stunde erledigt ist.

Wer also keine Zeit hat, sollte solche Arbeiten verschieben oder einen separaten Termin mit der Werkstatt ausmachen.
Wenn eine Werkstatt eine leere Klimaanlage erstmal einfach wieder nur befüllen möchte, wäre spätestens jetzt der Zeitpunkt die Werkstatt zu verlassen und einen Fachbetrieb aufzusuchen. Abgesehen davon, dass leere Anlagen nicht einfach ohne Lecksuche befüllt werden dürfen, kommt auch noch die nicht unerhebliche Umweltbelastung durch das ausströmende Klimagas zum tragen.
Weiterhin sollte bei einer leeren Klimaanlage IMMER der Trockner gewechselt werden. Eine Trocknerpatrone enthält ca. 20g Silikagel, das bei einer undichten Anlage sehr schnell durch Feuchtigkeit gesättigt ist. Danach hat der Trockner keinerlei Wirkung mehr.

Mehr Infos zum Trocknerwechsel hier.

Druckschalter bzw. Drucksensor

Wenn die Klimaanlage leer oder überfüllt ist, wird im Fehlerspeicher meistens der Druckschalter als Fehler angelegt. Dazu auch noch einige Worte:

Klimaanlagen im SGA haben entweder einen Druckschalter oder einen Drucksensor (ASZ, BTB, BRT) verbaut, die den Kompressor bei zu hohem oder zu niedrigem Druck abschalten. Der Druck des Kältemittels ist unter anderem temperaturabhängig.
Bei einer Unterdruckabschaltung ist die Anlage einfach (fast) leer.
Bei einer Überdruckabschaltung ist die Anlage entweder falsch befüllt (950 gr. statt 700 gr.) oder geringfügig überfüllt, weil z.B. noch eine geringe Menge im Kreislauf war oder der Mechaniker es gut meinte.
Das äußert sich in einer einwandfreien Funktion der Anlage bis z.B. 25°C und keine oder sporadische Funktion bei Temperaturen über 30°C. Abhilfe schafft eine erneute Befüllung mit einer geringfügig geringeren Kältemittelmenge (oder natürlicher Schwund, so daß sie im nächsten Jahr korrekt funktioniert.....).

Den Schaltzustand des Temperaturschalters kann man mit relativ einfachen Mitteln checken (Multimeter, ob durchgeschaltet oder nicht). Den Sensor kann man so nicht messen, hierzu wird am besten ein Oszilloskop verwendet, da der Sensor ein Taktsignal ausgibt.

Der Drucksensor (Achtung: Nicht Druckschalter!) für das Kältemittel ist in Schaltplänen etc. auch als Hochdruckgeber G65 zu finden. Einbauort Motorraum, rechts, hinter der Stoßstange.

Bei dem G65 handelt es sich um einen PWM- (puls/weiten-modulierten) -Geber, von dem ein Rechtecksignal ausgegeben wird. Die Breite des Signals im Verhältnis zum Signalabstand (Tastverhältnis) erlaubt die Aussage über den Druck in der Hochdruckleitung.

Der Sensor hat 3 Kontakte: Kontakt 1 - Masse, an der flachen Seite des Steckers, Kontakt 2 - in der Mitte - Signalausgang, Kontakt 3 - Plus, an der runden Seite des Steckers.
Bei einem Tastverhältnis von 12,5% zu 87,5% wird der Kompressor angesteuert. Darüber und darunter nicht.
Siehe auch [370137]
)


Weitere Informationen allgemeiner Natur:
Nur zur Information habe ich hier noch ein paar Details zu Klimaanlagen zusammengetragen, die nicht unbedingt unsere Autos betreffen, aber doch immer wieder falsch verbreitet werden.

Kältemittel R 1234 Flammpunkt 405°C, Brenngeschwindigkeit 1 cm/sek --- wenn die Klima also brennt hat man normalerweise genügend Zeit wegzukommen und mit 405°C ist es auch nicht ganz so einfach das Klimagas in Brand zu setzen. (zum Vergleich: Zündpunkt R134a 770°C)

Hybrid und Hochvoltfahrzeuge brauchen zwingend anderes Kompressoröl und Kontrastmittel, da das bisher verwendete elektrisch leitend ist (das wäre wohl fatal)!

Noch ein Hinweis, wenn die Klimaleitungen irgendwann nicht mehr erhältlich sind (oder für Oldtimerfans): Die Firma NRF bietet einen Universalsatz zur Reparatur der Klimaleitung an, erhältlich unter der Best-Nr: 29 000 20. Das wäre eine Lösung wenn keine andere Reparatur möglich ist.
.......to be continued

SGA-Stichworte: Klima, Klimaanlage, Kontrastmittel, Diagnose, R134a

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